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Seltener Wasserdrache in Gütersloh – Schutzprojekt für den Kammmolch
16.06.2017
Bild: B. Thiesmeier
Der Kammmolch macht seinem landläufigen Namen als "Wasserdrachen" alle Ehre: Zur Fortpflanzungszeit tragen die Männchen einen beeindruckenden Rückenkamm, um den Weibchen zu imponieren. Die Biostation hat zur Förderung des gefährdeten, kleinen Drachens ein Artenschutzprojekt ins Leben gerufen.
Allgemeine Informationen


Das neue Artenschutzprojekt für den Kammmolch hat die Biologische Station im Frühjahr 2017 ins Leben gerufen. Im Altkreis Wiedenbrück wird das Projekt gefördert durch die 

Stiftung der Kreissparkasse Wiedenbrück



Im Norden des Kreises Gütersloh handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Biologischen Station mit dem

Naturschutzbund NABU -

Kreisverband Gütersloh e.V.






 

Der Kammmolch (Triturus cristatus) ist die größte heimische Molchart. Die Männchen haben eine Körperlänge bis zu 15 cm, die Weibchen sogar bis zu 18 cm. 

An Land sind die scheuen Tiere meist nachtaktiv, so dass die großen Molche weniger bekannt sind als ihre Salamanderverwandten, die Feuersalamander.

Doch weniger beeindruckend ist ihr Äußeres deshalb nicht: Die Männchen legen sich zur Fortpflanzungszeit einen hohen gezackten Rückenkamm, an den Flanken silbrige Punkte und am Schwanz breite silbrige Streifen zu.

Aufgrund dieser auffälligen Wassertracht wird er gemeinhin auch als „Wasserdrachen“ bezeichnet.

 




Der Kammmolch ist unter den Wassermolchen ein wahrer Riese.



Lebensraum

Der Kammmolch ist nicht eng an einen speziellen Biotoptyp angepasst und in diversen Gewässern der verschiedensten Naturräume zu finden. Er bewohnt die offene Landschaft ebenso, wie größere geschlossene Waldgebiete.

Etwa ein Drittel des Jahres verbringt der Kammmolch im Wasser – im Gegensatz zu anderen Molcharten, die weniger Zeit in Gewässern verbringen (Teich- und Bergmolch).

In milden Wintern wandert der Kammmolch bereits im Februar zu seinem Laichgewässer und verlässt dieses erst ab August (bis spätestens Oktober). Er benötigt größere, tiefere Gewässer mit einem strukturiertem Grund und einer reich verkrauteten Unterwasser- und Ufervergetation.


Als Winterquartier sucht der Wasserdrache verschiedenartige Verstecke auf, wie Holz- oder Steinhaufen, Wurzelbereiche von Bäumen, Kleinsäugerbaue, Komposthaufen, Teichdämme oder auch Keller.

Optimalerweise befinden sich diese in unmittelbarer Nähe des Laichgewässers in Laub- und Mischwäldern, Gebüschen, Hecken und Gärten. Bis zu  1000 Meter werden auf der Wanderung zurückgelegt. Manche Tiere überwintern auch im Bodenschlamm der Teiche.








Wichtig ist das Fehlen von räuberisch lebenden Fischen, die Amphibienlarven fressen. Das Südufer sollte möglichst niedrige Vegetation aufweisen, damit die Sonne das Wasser für den Kammmolch ausreichend erwärmt. 



Holzstapel werden vom Kammmolch gern als Quartier zur Überwinterung angenommen.

Teichmolch

 
Bergmolch


Fortpflanzung

Die Balz und Paarung des kleinen Wasserdrachens finden von Mitte April bis Ende Mai statt. Das Weibchen legt daraufhin 200 bis 400 Eier an den Unterwasserpflanzen ab. Diese lassen sich aufgrund ihrer gelblichen Färbung und ihres großen Durchmessers gut von anderen Molcheiern unterscheiden. 

Die Entwicklungsdauer im Ei hängt stark von der Wassertemperatur ab – bei 10 °C sind es 30 Tage, während es bei 25 °C nur 5 Tage sein können. Die Entwicklung der Larven dauert 91 Tage, wobei die Molche dabei  54 verschiedene Stadien durchlaufen. 

Ab August verlassen die jungen Molche das Gewässer, um ihre Landlebensräume über Winter aufzusuchen.

Nahrung

Erwachsene Kammmolche ernähren sich räuberisch. Regenwürmer, Nacktschnecken, Froschlaich, Kaulquappen, Egel, Insekten und deren Larven werden in einem Stück heruntergeschlungen.

Zum Nahrungsspektrum des Kammmolches gehören auch kleinere Schwanzlurche, wie der Teichmolch oder der Bergmolch.


Unterscheidungsmerkmale von Kammmolch, Bergmolch und Teichmolch!


Die Molchlarven sind ebenfalls Räuber und fressen planktische Kleinkrebse (u.a. Wasserflöhe) und Insektenlarven.





 

Die Larven des Kammmolchs sind bei ihrer Umwandlung von der kiemenatmenden Larve zum lungenatmenden Molch 10,5 bis 11,5 cm lang.


Gefährdung

Eine Vielzahl an Amphibien - so auch der Kammmolch - werden auf ihrer Wanderung vom Winterquartier zum Laichgewässer Opfer des Straßenverkehrs. Zudem führt die Trockenlegung von Kleingewässern zum Verlust von geeigneten Laichgewässern. Auch die zunehmende Intensivierung der Landnutzung mit dem höheren Eintrag von Düngemitteln und Schadstoffen macht dem Kammmolch zu schaffen. Die Umwandlung von Grünland in Ackerflächen sowie die allgemeine Intensivierung der Grünlandnutzung im Umfeld der Laichgewässer stellt eine starke Habitatverschlechterung dar.

Der kleine Wasserdrache ist nach der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) im Anhang II und IV geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetzt wird der Kammmolch als „streng geschützt“ geführt. Der Kammmolch ist in Nordrhein-Westfalen die seltenste heimische Molchart und gilt hier als „gefährdet“. 

Verbreitung

Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Tiefland, im Bergland in Lagen über 400  Metern kommt der Kammmolch nicht vor. Im Kreis Gütersloh sind ein paar wenige Vorkommen des seltenen Kammmolches bekannt.

Verbreitungskarte desKammmolches im Kreis Gütersloh


Für den Fortbestand des Kammmolches ist die gezielte Umsetzung von Schutzmaßnahmen von großer Bedeutung.


Das Schutzprojekt für den Kammmolch

Schwerpunkt des neuen Artenschutzprojektes für den Kammmolch ist die Umsetzung von praktischen Schutzmaßnahmen.Mit der Sanierung von Artenschutzgewässern kann der Bestand des Kammmolches und auch zahlreicher anderer Tiere seines Lebensraumes gefördert werden. Weiterhin lassen sich vielerorts auch Verbesserungen des Landlebensraumes durch die Anlage von Winterverstecken umsetzen. 
Als Grundlage für die gezielte Umsetzung der Maßnahmen führen wir Erfassungen des kleinen Wasserdrachens an bekannten und potentiell geeigneten Laichgewässern im Kreis Gütersloh durch.

Aufruf an die Bevölkerung:

Bitte melden Sie uns Ihre Vorkommen vom Kammmolch (am besten mit Foto)!

Zur Bestimmung "Ihrer" Molche können Sie unsere Liste der Unterscheidungsmerkmale der heimischen Molche zu Hilfe nehmen! 




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