Artenschutzhandbuch 2011 - Biologische Station Gütersloh/Bielefeld

Steinbrüche

Charakterisierung

Der Teutoburger Wald weist eine Vielzahl unterschiedlich großer Steinbrüche auf, die ihre Entstehung der Nachfrage an Kalk- und Osningsandstein verdanken. Insbesondere die nicht mehr in Betrieb befindlichen Steinbrüche bieten mit ihren mosaikartig verteilten Strukturen, wie unbewachsenen Steilwänden, Felsspalten, Ruderalfluren, Verbuschungszonen, Trocken- sowie Feuchtbereichen einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten einen Ersatz-Lebensraum. So kommt ein Großteil der hier lebenden Arten im Umfeld der Steinbrüche aufgrund der hier zumeist intensiveren Landschaftsnutzung nur noch selten vor. Aus diesen Gründen ist ein Erhalt dieser „Lebensräume aus zweiter Hand“ zur Bestandssicherung der vorhandenen Populationen in unserer Region sehr wichtig.

Trotz ihrer Bedeutung als Ersatz-Lebensraum für bedrohte Arten sollten aber möglichst keine neuen Steinbrüche genehmigt werden, da hierdurch wertvolle natürliche Lebensräume wie artenreiche Kalk-Buchenwaldstandorte zerstört werden. Vielmehr sollten die ursprünglichen Lebensräume der in Steinbrüchen siedelnden Arten erhalten werden, wie z.B. die letzten bei uns vorhandenen Halbtrockenrasenflächen.

Typische Floren-Vertreter

Steinbrüche weisen eine hohe Vielfalt an Pflanzengemeinschaften auf. Auffällig sind vor allem die zumeist ausgedehnten Ruderalfluren mit Arten wie Weißer und Hoher Steinklee (Melilotus alba, M. altissima), Natternkopf (Echium vulgare) und Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum).

Botanisch wertvoll sind nährstoffarme Halbtrockenrasen-Bereiche mit Arten wie dem blau blühenden Fransen-Enzian (Gentianella ciliata), dem durch ihre goldgelben Blüten auffallenden Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) und der violette Blüten tragenden Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria).

Auch Orchideen wie Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) oder Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) haben häufig in Steinbrüchen einen Ersatzlebensraum gefunden.

Typische Faunen-Vertreter

Steinbrüche sind mit ihrem hohen Strukturreichtum für eine Vielzahl von Tierarten als Lebensraum interessant. So bieten die Sohlen der Steinbrüche mit ihrem kleinräumigen Wechsel von Feucht- bis Trockenbereichen, Ruderalfluren, Verbuschungszonen und sonnenexponierten Hängen Amphibien wie Erdkröte (Bufo bufo), Feuersalamander (Salamandra salamandra) und Grasfrosch (Rana temporaria) sowie Reptilien wie Waldeidechse (Zootoca vivipara) und Blindschleiche (Anguis fragilis) ideale Lebensbedingungen.

Die oft unzugänglichen Steilwände werden gerne vom Uhu (Bubo bubo) besiedelt, der dort geeignete Brutplätze findet.

Zusätzlich bietet die Vielzahl an Pflanzenarten mit ihrem hohen Blütenreichtum zahlreichen Insekten, wie z.B. Schmetterlingen und Wildbienen, eine wichtige Nahrungsquelle.

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Häufig werden nicht mehr benötigte Steinbrüche u.a. mit Hausmüll oder Bauschutt verfüllt und anschließend rekultiviert, zumal sie häufig nur als „Wunden in einer intakten Buchenwald-Landschaft“ betrachtet werden, die es zu beseitigen gilt. Aufgrund der Vielfalt der in vielen Steinbrüchen vorhandenen Pflanzen- und Tierwelt sollte aber von einer Verfüllung abgesehen werden.
Insbesondere Steinbrüche mit wertvollen Pflanzengesellschaften oder störungsempfindlichen Tierarten wie dem Uhu sollten keiner intensiven Freizeitnutzung, wie Motocross-Betrieb, Feuerwerk-Veranstaltungen oder ähnlichen Nutzungen, zugänglich gemacht werden. Da viele in Steinbrüchen vorzufindende Pflanzengesellschaften, wie z.B. Kalk-Halbtrockenrasen im Umland sehr selten geworden sind, sollten die in Steinbrüchen vorhandenen Magerrasen erhalten und vor allem offengehalten werden.