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Praktischer Schutz der Feldlerche (Alauda arvensis) im Kreis Gütersloh
aktualisiert: 11:22, 19.09.2011
"Es war die Nachtigall und nicht die Lerche" - wer kennt diesen Satz nicht aus Shakespeares "Romeo und Julia"!? Leider wird der Gesang der Feldlerche, unseres typischen Frühlingsboten, über den Äckern und Wiesen immer seltener. Die Biologische Station engagiert sich aktiv im Schutz der Feldlerche im Kreis Gütersloh.
Allgemeine Informationen

Der Schutz der Feldlerche war ein Gemeinschaftsprojekt der

Biologischen Station Gütersloh Bielefeld
(Ansprechpartnerin: Conny Oberwelland)

und der

Biologischen Station Ravensberg im Kreis Herford 
(Ansprechpartner: Klaus Nottmeyer-Linden)

und wurde im Zeitraum von 2005 bis 2010 durchgeführt,
gefördert durch die Stiftung für die Natur Ravensberg.

Dokumente:

Abschlußbericht 2005 - 2007:     PDF, 1331 KB
Flyer zum Projekt (Gütersloh): PDF, 1798 KB
Flyer zum Projekt (Herford): PDF, 305 KB

Die Ergebnisse aus dem Kreis Herford finden Sie unter http://www.bshf.de.

Lesen Sie
hier die aktuelle Veröffentlichung zu dem Schutzprojekt in der Natur in NRW, Nr. 3/2009 vom
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen!

 

Die Feldlerche ist ein ehemaliger Steppenvogel und typischer Kulturfolger. Durch die Ackernutzung des Menschen ist sie in weite Bereiche Europas eingewandert. Heute ist die Feldlerche ein Charaktervogel der offenen Kulturlandschaft. Als Bodenbrüter benötigt sie kleinparzellige Ackerflächen mit locker bewachsener, niedriger Vegetation. Von Siedlungen, hoch gewachsenen Hecken und Wäldern hält sie gebührenden Abstand.

Die Jungvögel werden ausschließlich mit proteinreichen Insekten gefüttert. Für ein ausreichendes Nahrungsangebot sind daher blütenreiche Feldsäume notwendig, die eine Vielzahl an Insekten anlocken.

Pro Jahr finden zwei bis drei Bruten statt. Die Brutreviere werden von den Männchen durch langandauernde, jubilierende Singflüge in bis zu 100 Metern Höhe gekennzeichnet.

 

 

Gefährdung

Die Feldlerche hat in den letzten drei Jahrzehnten in vielen Gebieten Mitteleuropas starke Bestandseinbrüche zu verzeichnen.

Durch den Wandel der Landbewirtschaftung hat sich der Lebensraum des Ackervogels stark verändert. Die intensiver gedüngten Kulturarten dienen dem Bodenbrüter nur noch eine begrenzte Zeitspanne als Neststandort, da die Pflanzenbestände schnell zu hoch und zu dicht für den einstigen Steppenvogel stehen. Außerdem ist das Nahrungsangebot durch den Einsatz von Herbiziden und den Wegfall von Feldsäumen stark eingeschränkt.

In Westfalen ist die Populationsdichte um mindestens 50 % zurückgegangen. Auf der aktuellen Roten Liste für NRW 2008 ist die Feldlerche, unser häufigster Bodenbrüter, als "gefährdet" eingestuft worden.

 

Schutzprojekt für die Feldlerche

Die Biologische Station hat im Kreis Gütersloh von 2005 bis 2010 ein Schutzprojekt für die Feldlerche durchgeführt, um die negative Bestandsentwicklung aufzuhalten. Dazu ist das Schutzprojekt für die

Feldlerchen von der Biologischen Station ins Leben gerufen worden, was von der Stiftung für die Natur
Ravensberg gefördert wird. Ziel des Projektes ist die Entwicklung kleinflächiger, praktikabler Schutzmaßnahmen, die zu einer Verbesserung des Lebensraumes der Feldlerchen führen. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte durch ortsansässige Landwirte, die die Flächen in den Untersuchungsgebieten bewirtschafteten.

In ausgewählten Untersuchungsgebieten
wurden seit 2005 die Feldlerchen-
Vorkommen ermittelt.

Dabei wurden während der Brutzeit von
April bis Ende Juni vor allem die
Singflüge der Männchen erfasst,
woraus die zu dem Kartier-Zeitpunkt
herrschenden Revierverhältnisse
abgeleitet werden konnten.

 

Brutreviere der Feldlerchen in den Untersuchungsgebieten

Untersuchungsgebiet Anzahl Feldlerchen-Reviere
  2005 2006 2007 2008 2009 2010
Borgholzhausen 48 45 47 32 32 38
Werther 19* 33 39 35 33 33
Versmold 21 20 24 17 11 12
Casum (--) 15 23 28 26 25
Entenort 8 9 8 (--) (--) (--)
Oesterweg 7 7 7 (--) (--) (--)
Vennort 5 7 6 (--) (--) (--)
Halle-Hörste 4 3 2 (--) (--) (--)
Großes Venn 1 (--) (--) (--) (--) (--)
Insgesamt 113 139 156 112 102 108
* nicht vollständig erfasst
 

Borgholzhausen und Werther zeigten mit ihren hohen Revierzahlen auch überregional betrachtet sehr gute Siedlungsdichten, was im geringeren Maße ebenso für Versmold und Casum galt. In den anderen Gebieten war der Bestand relativ gering. Ein wesentlicher Grund für die unterschiedlichen Siedlungsdichten sind die heterogenen Standortfaktoren. So bietet z.B. die Südhanglage in Borgholzhausen mit dem sich durch den hohen Steinanteil schnell erwärmenden Boden sehr gute Bedingungen für den Bodenbrüter. Auch in Werther finden die Lerchen auf den kleinparzelligen Flächen mit den vielfältigen Kulturarten, sowie auf den extensiver bewirtschafteten Biolandflächen gute Neststandorte und ausreichend Nahrung für die Jungen.

Ab dem Jahr 2008 beschränkten sich die Erfassungen auf die Gebiete, in denen Schutzmaßnahmen umgesetzt worden sind.

Die Abweichungen der Anzahl von Revieren in einem Gebiet zwischen den Jahren zeigen allgemeine Schwankungen im Bestand der Feldlerchen an, die zwischen den Jahren unterschiedlich sein können. Doch spiegeln sie sicherlich auch die zunehmende Problematik wieder, dass sich der Lebensraum und das Nahrungsangebot für die Lerchen zunehmend verschlechtern. In Versmold z.B. ist seit Jahren die Bewirtschaftung auf vielen Ackerflächen stark intensiviert worden. 2008 wurde hier überwiegend großflächig Raps und Mais angebaut. Diese Kulturarten eignen sich aufgrund des schnellen und sehr dichten Wachstums nur für einen sehr begrenzten Zeitraum als Neststandort. Um einen völligen Einbruch der Feldlerchenpopulation auf diesen Flächen zu verhindern, sind ökologische Ausgleichsbereiche notwendig.

 

Schutzmaßnahmen für die Feldlerchen

Dank reger Beteiligung ortansässiger Landwirte wurden seit 2006 verschiedene Schutzmaßnahmen umgesetzt. Mit Hilfe kleinflächiger Extensivierungsmaßnahmen wurden neue Neststandorte geschaffen und das Nahrungsangebot in den sonst monotonen, kräuterarmen Kulturflächen verbessert.

Die Anlage von Blühstreifen erfolgte mit einer Biosaatgutmischung. Sie enthielt heimische Blühpflanzen, die zahlreiche Insekten anlocken. Die Feldlerchen konnten hier noch ausreichend Nahrung für ihre Jungen finden. In Borgholzhausen wurde 2008 in einem Blühstreifen neben drei futtersuchenden Feldlerchenpaaren auch eine Wachtel 
beobachtet.

 
Blühstreifen von dem Landwirt Günter Steinbrügge (Borgholzhausen)
 
Doppelter Reihenabstand von dem Landwirt Helmut Siekerkotte (Borgholzhausen)
Bei der Anlage eines Getreidestreifens mit doppeltem Reihenabstand wurde bei der Saat jede zweite Saatreihe ausgesetzt. Sowohl in Werther als auch in Borgholzhausen konntenReviere im Bereich der Streifen nachgewiesen werden.
Der Streifen mit reduzierter Saatgutmenge im Sommergetreide wurde von den Feldlerchen besonders gut angenommen. In Borgholzhausen (rechts) konnte 2006 und 2007 im Bereich dieser Streifen jeweils ein Brutrevier nachgewiesen werden.
 
Haferstreifen mit reduzierter Saatgutmenge von dem Landwirt Günter Steinbrügge (Borgholzhausen)
 
Lerchenfenster von dem Landwirt Ulrich Niemeyer (Casum / Borgholzhausen)
Für die Anlage von Lerchenfenstern braucht die Sämaschine nur kurz angehoben werden. Sie sind etwa 20 m2 groß und begrünen sich von selbst. Von 2006 bis 2010 wurden ca. 338 Fenster angelegt, in deren Bereich zahlreiche Brutreviere erfasst werden konnten.
In Borgholzhausen wurde 2006 ein Brachestreifen angelegt. Er wurde nicht eingesät und begrünte sich von selbst.
 
Brachestreifen von dem Landwirt Rolf Westmeyer (Borgholzhausen)

Die Schutzmaßnahmen wurden von den Feldlerchen sehr gut angenommen. Die hohe Anzahl an Revieren im unmittelbaren Bereich der durchgeführten Maßnahmen belegt, dass die Lerchen von dem verbesserten Nahrungsangebot und den günstigeren Brutbedingungen der Extensivierungsmaßnahmen profitieren. 

 

Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit stellt einen wesentlichen Schwerpunkt unserer Projektarbeit dar. In den lokalen Zeitungen erscheinen regelmäßig Berichte zu dem Projekt (Presseartikel). Außerdem machen wir durch Feldrandtafeln, die an den Flächen mit Schutzmaßnahmen aufgestellt werden, auf das Projekt und das Engagement der beteiligten Landwirte aufmerksam. Zur Information dient zudem der Projektflyer, den Sie hier (Flyer, PDF-Dokument) herunterladen können.

Während der Brutzeit führen wir Exkursionen in den Untersuchungsgebieten durch. Dabei stellen wir neben dem Projekt den Lebensraum der Feldlerche vor und machen auf die Gefährdung des Vogels und auf die Notwendigkeit von Schutzbemühungen aufmerksam.

 

Auch das Fernsehen war schon zu Gast bei den Lerchen

Im Mai 2009 hat ein WDR-Team in Borgholzhausen und Werther einen kurzen Beitrag über die Feldlerchen gedreht! Dem Team gelangen dabei eindrucksvolle Aufnahmen von den Lerchen - singend in der Luft, im Revierkampf oder auch bei der Fütterung der Jungen. Außerdem legte der Landwirt Rolf Westmeyer aus Kleekamp / Borgholzhausen ein Lerchenfenster für das Team an und gab ein kurzes Interview zu seiner Teilnahme an dem Projekt.

 

Fazit

Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft verläuft sehr erfolgreich. Das Projekt erhält bei den Landwirten eine breite Zustimmung, während die Feldlerchen von den Schutzbemühungen profitieren - und mit ihnen auch andere Feldvögel wie Wachtel, Rebhuhn und Schafstelze. 


Aufgrund dieser positiven Erfahrungen ist ein Folgeprojekt in Planung. Das Schutzprojekt "Feldvögel erleben in der Gütersloher Kulturlandschaft" soll ab dem Frühjahr 2009 in Kooperation mit der Stadt und dem Kreis Gütersloh durchgeführt. Lesen Sie hier mehr dazu.

 

Aufruf zur Mithilfe

Für die Umsetzung gezielter Maßnahmen sammelt die Biologische Station Daten zum Vorkommen der Feldlerche!  Wenn Sie Lerchen-Ackerflächen im Stadtgebiet Gütersloh oder Bielefeld, bzw. im Kreis Gütersloh kennen, melden Sie diese bitte bei der Biologischen Station! 

Ansprechpartnerin: Conny Oberwelland

Telefon: 05209-98 01 01

Email: 

conny.oberwelland@biostationgt-bi.de

Feldlerche Gesang
Feldlerche Ruf

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen hat aufgrund der positiven Erfahrungen der im Feldvogelschutz aktiven Biologischen Stationen das Programm "1000 Fenster für die Lerche" ins Leben gerufen: Seit dem Frühjahr 2009 wird die Anlage von Lerchenfenstern auf Getreideflächen in NRW finanziell gefördert. Im Kreis Gütersloh und im Stadtgebiet Bielefeld ist die Biologische Station Ansprechpartner für das Projekt.


Kontakt
Anschrift
Biologische Station Gütersloh/Bielefeld
Niederheide 63,
33659 Bielefeld

Tel.: 05209 / 980101
Fax: 05209 / 980102

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