Praktischer Schutz der Feldlerche (Alauda arvensis) im Kreis Gütersloh
Gefördert durch die Stiftung für die Natur Ravensberg

Ein Gemeinschaftsprojekt der Biologischen Stationen Gütersloh Bielefeld
(Ansprechpartnerin: Conny Oberwelland)
und der Biologischen Station Ravensberg im Kreis Herford
(Ansprechpartner: Klaus Nottmeyer-Linden).

Abschlußbericht 2005 - 2007:    PDF-Download (1,3 MB)
Flyer zum Projekt (Gütersloh):PDF-Download (270 KB)
Flyer zum Projekt (Herford):PDF-Download (300 KB)

Die Ergebnisse aus dem Kreis Herford finden Sie unter http://www.bshf.de.

Lesen Sie hier die aktuelle Veröffentlichung zu dem Schutzprojekt in der Natur in NRW, Nr. 3/2009 vom
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen!



Die Feldlerche ist ein ehemaliger Steppenvogel und typischer Kulturfolger. Durch die Ackernutzung des Menschen ist sie in weite Bereiche Europas eingewandert. Heute ist die Feldlerche ein Charaktervogel der offenen Kulturlandschaft. Als Bodenbrüter benötigt sie kleinparzellige Ackerflächen mit locker bewachsener, niedriger Vegetation. Von Siedlungen, hoch gewachsenen Hecken und Wäldern hält sie gebührenden Abstand.

Die Jungvögel werden ausschließlich mit proteinreichen Insekten gefüttert. Für ein ausreichendes Nahrungs-
angebot sind daher blütenreiche Feldsäume notwendig,
die eine Vielzahl an Insekten anlocken.
Pro Jahr finden zwei bis drei Bruten statt. Die Brutreviere werden von den Männchen durch langandauernde, jubilierende Singflüge in bis zu 100 Metern Höhe gekennzeichnet.

Gefährdung

Die Feldlerche hat in den letzten drei Jahrzehnten in
vielen Gebieten Mitteleuropas starke Bestandsein-
brüche zu verzeichnen.

Durch den Wandel der Landbewirtschaftung hat sich
der Lebensraum des Ackervogels stark verändert.
Die intensiver gedüngten Kulturarten dienen dem
Bodenbrüter nur noch eine begrenzte Zeitspanne als
Neststandort, da die Pflanzenbestände schnell zu hoch
und zu dicht für den einstigen Steppenvogel stehen.
Außerdem ist das Nahrungsangebot durch den Einsatz
von Herbiziden und den Wegfall von Feldsäumen stark
eingeschränkt.



   
In Westfalen ist die Populationsdichte um mindestens 50 % zurückgegangen. Auf der aktuellen Roten Liste für NRW 2008 ist die Feldlerche, unser häufigster Bodenbrüter, als "gefährdet" eingestuft worden.

Schutzprojekt für die Feldlerche

Im Kreis Gütersloh soll der Bestandsrückgang aufgehalten werden. Dazu ist das Schutzprojekt für die
Feldlerchen von der Biologischen Station ins Leben gerufen worden, was von der Stiftung für die Natur
Ravensberg gefördert wird. Ziel des Projektes ist die Entwicklung kleinflächiger Schutzmaßnahmen,
die zu einer Verbesserung des Lebensraumes der Feldlerchen führen. Die Umsetzung der Maßnahmen
erfolgt durch ortsansässige Landwirte, die die Flächen in den Untersuchungsgebieten bewirtschaften.


In ausgewählten Untersuchungsgebieten
werden seit 2005 die Feldlerchen-
Vorkommen ermittelt.

Dabei werden während der Brutzeit von
April bis Ende Juni vor allem die
Singflüge der Männchen erfasst,
woraus die zu dem Kartier-Zeitpunkt
herrschenden Revierverhältnisse
abgeleitet werden können.
Karte vergrößern


Brutreviere der Feldlerchen in den Untersuchungsgebieten

Untersuchungsgebiet Anzahl Feldlerchen-Reviere
  2005 2006 2007 2008 2009
Borgholzhausen 48 45 47 32 32
Werther 19* 33 39 35 33
Versmold 21 20 24 17 11
Casum (--) 15 23 28 26
Entenort 8 9 8 (--) (--)
Oesterweg 7 7 7 (--) (--)
Vennort 5 7 6 (--) (--)
Halle-Hörste 4 3 2 (--) (--)
Großes Venn 1 (--) (--) (--) (--)
Insgesamt 113 139 156 112 102
* nicht vollständig erfasst

Während in Borgholzhausen, Werther, Casum und Versmold noch relativ viele Brutreviere sind, ist das Vorkommen in anderen Gebieten wie Entenort, Oesterweg, Vennort, Halle-Hörste und das Große Venn verhältnismäßig gering. Ein wesentlicher Grund für die unterschiedlichen Siedlungsdichten sind die heterogenen Standortfaktoren. So bietet z.B. die Südhanglage in Borgholzhausen mit dem sich durch
den hohen Steinanteil schnell erwärmenden Boden sehr gute Bedingungen für den Bodenbrüter. Auch in Werther finden die Lerchen auf den kleinparzelligen Flächen mit den vielfältigen Kulturarten, sowie auf den extensiver bewirtschafteten Biolandflächen gute Neststandorte und ausreichend Nahrung für die Jungen.

Ab dem Jahr 2008 beschränkten sich die Erfassungen auf die Gebiete, in denen Schutzmaßnahmen umgesetzt worden sind.

Die Abweichungen der Anzahl von Revieren in einem Gebiet zwischen den Jahren zeigen allgemeine Schwankungen im Bestand der Feldlerchen an, die zwischen den Jahren unterschiedlich sein können.
Doch spiegeln sie sicherlich auch die zunehmende Problematik wieder, dass sich der Lebensraum und das Nahrungsangebot für die Lerchen zunehmend verschlechtern. In Versmold z.B. ist seit Jahren die Bewirtschaftung auf vielen Ackerflächen stark intensiviert worden. 2008 wurde hier überwiegend
großflächig Raps und Mais angebaut. Diese Kulturarten eignen sich aufgrund des schnellen und sehr
dichten Wachstums nur für einen sehr begrenzten Zeitraum als Neststandort. Um einen völligen Einbruch
der Feldlerchenpopulation auf diesen Flächen zu verhindern, sind ökologische Ausgleichsbereiche notwendig.

Schutzmaßnahmen für die Feldlerchen

Dank reger Beteiligung ortansässiger Landwirte sind seit 2006 verschiedene Schutzmaßnahmen umgesetzt worden. Mit Hilfe kleinflächiger Extensivierungsmaßnahmen werden neue Neststandorte geschaffen und das Nahrungsangebot in den sonst monotonen, kräuterarmen Kulturflächen verbessert.

Die Anlage von Blühstreifen erfolgt mit einer Biosaatgut-
mischung. Sie enthält heimische Blühpflanzen, die zahlreiche
Insekten anlocken. Die Feldlerchen können hier noch
ausreichend Nahrung für ihre Jungen finden.
In Borgholzhausen konnten 2008 in einem Blühstreifen neben
drei futtersuchenden Feldlerchenpaaren auch eine Wachtel
beobachtet werden.


Blühstreifen von dem Landwirt Günter Steinbrügge (Borgholzhausen)

Doppelter Reihenabstand von dem Landwirt Helmut Siekerkotte (Borgholzhausen)
   Bei der Anlage eines Getreidestreifens mit
   doppeltem Reihenabstand wird bei der Saat
   jede zweite Saatreihe ausgesetzt.
   Sowohl in Werther als auch in Borgholzhausen wurden
   Reviere im Bereich der Streifen nachgewiesen.

Der Streifen mit reduzierter Saatgutmenge im Sommer-
getreide wird von den Feldlerchen besonders gut angenommen.
In Borgholzhausen (rechts) konnte 2006 und 2007 im Bereich
dieser Streifen jeweils ein Brutrevier nachgewiesen werden.


Haferstreifen mit reduzierter Saatgutmenge von dem Landwirt Günter Steinbrügge (Borgholzhausen)

Lerchenfenster von dem Landwirt Ulrich Niemeyer (Casum / Borgholzhausen)
   Für die Anlage von Lerchenfenstern braucht die Sämaschine
   nur kurz angehoben werden. Sie sind etwa 20 m2 groß und
   begrünen sich von selbst.
   Von 2006 bis 2009 wurden ca. 250 Fenster angelegt,
   in deren Bereich zahlreiche Brutreviere erfasst werden konnten.

In Borgholzhausen wurde 2006 ein Brachestreifen angelegt.
Er wurde nicht eingesät und begrünte sich von selbst.


Brachestreifen von dem Landwirt Rolf Westmeyer (Borgholzhausen)


Die Schutzmaßnahmen wurden von den Feldlerchen sehr gut angenommen. Die hohe Anzahl an Revieren im unmittelbaren Bereich der durchgeführten Maßnahmen belegt, dass die Lerchen von dem verbesserten Nahrungsangebot und den günstigeren Brutbedingungen der Extensivierungsmaßnahmen profitieren.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit stellt einen wesentlichen Schwerpunkt unserer Projektarbeit dar. In den lokalen Zeitungen erscheinen regelmäßig Berichte zu dem Projekt (Presseartikel). Außerdem machen wir durch Feldrandtafeln, die an den Flächen mit Schutzmaßnahmen aufgestellt werden, auf das Projekt und das Engagement der beteiligten Landwirte aufmerksam. Zur Information dient zudem der Projektflyer, den Sie hier herunterladen können.

Während der Brutzeit führen wir Exkursionen in den Untersuchungsgebieten durch. Dabei stellen wir neben dem Projekt den Lebensraum der Feldlerche vor und machen auf die Gefährdung des Vogels und auf die Notwendigkeit von Schutzbemühungen aufmerksam.

Auch das Fernsehen war schon zu Gast bei den Lerchen:

Im Mai 2009 hat ein WDR-Team in Borgholzhausen und Werther einen kurzen Beitrag über die Feldlerchen gedreht! Dem Team gelangen dabei eindrucksvolle Aufnahmen von den Lerchen - singend in der Luft, im Revierkampf oder auch bei der Fütterung der Jungen. Außerdem legte der Landwirt Rolf Westmeyer aus Kleekamp / Borgholzhausen ein Lerchenfenster für das Team an und gab ein kurzes Interview zu seiner Teilnahme an dem Projekt.

Foto durch Mausklick auswählen


Fazit

Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft verläuft sehr erfolgreich. Das Projekt erhält bei den Landwirten eine breite Zustimmung, während die Feldlerchen von den Schutzbemühungen profitieren - und mit ihnen auch andere Feldvögel wie Wachtel, Rebhuhn und Schafstelze.

Aufgrund dieser positiven Erfahrungen ist ein Folgeprojekt in Planung. Das Schutzprojekt "Feldvögel erleben in der Gütersloher Kulturlandschaft" soll ab dem Frühjahr 2009 in Kooperation mit der Stadt und dem Kreis Gütersloh durchgeführt. Lesen Sie hier mehr dazu.