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12    Kiebitz (Vanellus vanellus)


Lebensraumansprüche
Der Kiebitz bewohnt offene, flache und weitgehend strukturarme Flächen mit zumindest zur Brutzeit niedriger Vegetation. Derartige Flächen unterliegen in der Regel einer landwirtschaftlichen Nutzung als Acker oder Grünland. Die überwiegende Anzahl brütet heute auf Ackerflächen (Getreide, Maisäcker, Ackerbrachen), vor allem, wenn sie in den feuchten Auebereichen liegen. Zur Nahrungssuche ziehen die Kiebitze mit ihren Jungen aber wenn möglich in benachbarte Wiesen und Weiden um. Nur wenige Grünlandbereiche sind heute im Frühjahr so feucht und schütter, dass der Kiebitz hier sein Nest anlegt. Auch selbstbegrünte Brachen oder Sonderstandorte wie Erdbeerfelder können vom Kiebitz besiedelt werden. Die Nahrung wird am Boden gesucht und besteht überwiegend aus kleinen Wirbellosen (Regenwürmer, Insekten), zeitweise wird auch pflanzliche Nahrung aufgenommen.

Verbreitung im Kreis Gütersloh
Die Verbreitung des Kiebitz im Kreis Gütersloh ist zuletzt im Rahmen der Wiesenvogelkartierung 1998 dokumentiert worden. Dabei wurden insgesamt rund 900 Paare für den Kreis erfasst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Verbreitungsschwerpunkt im Süden des Kreises liegt und zudem bandartig von Nordwest nach Südost (Harsewinkel - Gütersloh – Verl) eine Zone dichterer Besiedlung verläuft. Verbreitungslücken sind nördlich und direkt südlich des Teutoburger Waldes (Halle, Steinhagen) sowie in den flurbereinigten Gebieten nordwestlich von Versmold, in Herzebrock-Clarholz und in Rheda-Wiedenbrück vorhanden. Die Brutvorkommen im Gebiet der Stadt Werther beschränken sich auf einzelne Paare. Ein bedenklicher Rückgang ist auch für Borgholzhausen und Steinhagen festzustellen. Dort wurden einzelne Brutbereiche, die 1995 noch besetzt waren, vom Kiebitz vollständig aufgegeben.

Gefährdung und Gefährdungsursachen
In NRW wird der Kiebitz in der Roten Liste unter der Kategorie 3 (gefährdet) aufgeführt. Eine Hauptursache für die Gefährdung ist die starke Veränderung der Landschaft und der Landnutzung. Durch die großflächige Trockenlegung von Gebieten sind viele ehemals auf feuchtem Grünland liegenden Brutplätze verlassen worden. Konventionell bewirtschaftetes Grünland ist wegen der hohen Viehdichten auf Weiden und aufgrund des starken Aufwuchses und der schnellen Abfolge der Mahdtermine auf Wiesen als Brutbiotop nicht geeignet. Auf Ackerflächen werden viele Gelege bei den zahlreichen Bearbeitungsgängen (Umbruch und Einsaat, Düngung, Biozidanwendung) zerstört. Zudem kann unter ungünstigen Bedingungen auf Ackerflächen plötzlich Nahrungsmangel auftreten und Verluste bei den Jungen zur Folge haben. Zu Todesfallen für Kiebitzjunge können auch tiefe Drainagegräben mit senkrechten Wänden werden. Durch eine intensive Pflege oder Einbeziehung von Randstrukturen in die Nutzung gehen Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten für die Jungvögel verloren.

Hilfsmaßnahmen
Nur durch Extensivierungs- und Vernässungsmaßnahmen von Grünlandbereichen können Wiesenbereiche wieder für den Kiebitz interessant gemacht werden. Der durchschnittlich höhere Bruterfolg im Grünland könnte somit zu einer Erhöhung des Bruterfolges insgesamt führen. Als wichtiger Faktor muß auch der Gelegeschutz angesehen werden. Durch Information und Aufklärungsarbeit sollte erreicht werden, dass bei der Bewirtschaftung in stärkerem Maße auf brütende Kiebitze Rücksicht genommen und weniger Gelege zerstört werden. In bekannten Kiebitz-Brutgebieten sollten keine Aufforstungen durchgeführt oder Baumreihen gepflanzt werden, da Kiebitze ausreichend große und freie Flächen benötigen. Während der Zeit der Jungenaufzucht (März bis Juni) sollten Randstreifen an Äckern nicht mit bearbeitet oder ausgemäht werden, um Verluste zu vermeiden. In Einzelfällen können stillgelegt Ackerbrachen vor der Brutsaison umgebrochen und damit für den Kiebitz attraktiv gemacht werden. Ohne grundlegende Änderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung hin zu einer extensiven Landnutzung wird sich grundsätzlich nicht viel an der Situation des Kiebitzes ändern.

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